Entwarnung für Nikolaiviertel

Dank reger Bürgerproteste ist das Plattmach-Schicksal für das lebendige Nikolaiviertel (wir berichteten) mitten in der Göttinger Innenstadt erst einmal abgewendet: die Düsseldorfer “Investorengruppe” Comfort hat einen Rückzieher gemacht, angeblich wegen dem Architektenwettbewerb, den die Stadt zur Bedingung gemacht hat.
Ich schätze eher, das Viertel ist unattraktiv als Spekulationsobjekt, wenn man nicht nach reinem Gutdünken damit verfahren kann, so als “Investor”: platt machen, wie’s beliebt und neugestalten rein nach Rendite-Gesichtspunkten. Und wenn’s die Rendite nicht mehr abwirft, weiterziehen. Man kennt das.
Noch-OB Danielowski schimpft nun auf die angebliche Käseglocke, die die ewiggestrigen Göttinger am liebsten über ihre olle Altstadt hängen wollten, damit bloß keins von ihren ollen Häusern verschwindet. Als ob es darauf ankäme, wo man doch gerade erst Kulturgut von 1390 so eben mal aus Versehen platt gemacht hat. Da wollen wir mal nich kleinlich sein.
Und alle Fraktionsspitzen beeilen sich zu erklären, daß man aber nun aufpassen müsse, daß nicht der Eindruck eines investorenfeindlichen Klimas entstehe. Immerhin, der grüne Ulrich Holefleisch attestiert dem scheidenden OB unterentwickeltes Demokratieverständnis. Daß das mal klar ist!
Ich frage mich, welcher Teufel um alles in der Welt Göttingen reiten sollte, daß es die Pfunde, mit denen es wuchern kann (seine schöne Altstadt!), an irgendwelche Investoren aus aller Welt verschachert! Die Stadt beginnt doch erfreulicherweise gerade, sich ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln, das es der Stadt ermöglicht sich selbst zu tragen. Da sollten wir uns doch nicht gleich zum Start schon selber Knüppel zwischen die Beine werfen.
Also Comfort, tschüss. Nett, daß wir drüber gesprochen haben. Aber so nicht!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Michael Wegener

    Die Anführung “wir berichteten” ist ganz GT-Like. Ist das beabsichtig? Nur so eine Frage :-)

  2. ruth

    Jaja.. Danielowksi.. vielleicht war er am “Comfort” Deal nicht ganz unbeteiligt und jammert nun wegen entgangener Spesen..

    Was fürn Parteibuch hat er nochmal? ;-)

  3. Willi Winzig

    Ja, es gibt Augenblicke, da scheint die Welt wieder in Ordnung! Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß das ganz schön knapp war. Betonkopf Danielowski hat sich in der Reaktion mit der “Käseglocke” auch erwartungsgemäß geoutet und bewiesen, daß er schon als Kind am liebsten in der 60er-Jahre-Tiefgarage gespielt hat. Die Umgebung prägt halt. Der allseits beliebte Nikolai-Flohmarkt ist gerettet, uff. Und man darf weiterhin seinen Kaffee auf dem Kirchhof trinken. Aber was wird denn jetzt mit dem Nörgelbuff?

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