Dem Fischer

Dem Fischer weine ich keine Träne nach. Und das keineswegs nur, weil er sich ja alle Hintertüren offen gelassen hat und gewissiglich aus den hinteren Reihen heraus weiter munter Ränkespiele betreiben wird.
Nein: mit Herrn Fischer hat ausgerechnet ein Grüner die deutsche Beteiligung an Angriffskriegen (Kosovo, Serbien, 1999) wieder ermöglicht. Ein Schritt in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der meines Erachtens nicht hätte getan werden dürfen.
Aus dem Sog, in den diese Entscheidung die Grünen gerissen hat, haben sie sich nicht mehr befreit – und hier liegt vermutlich auch die Schnittstelle zur Zusammenarbeit mit Cducsufdp.
Einer der Gründe, warum die Grünen – wenn überhaupt – nur noch kleineres Übel sein können.
Utopien scheint es nicht mehr zu geben. Jedenfalls kann man sie keiner Partei mehr zuordnen.
Und dies ist eins der Verdienste, die man dem Herrn Fischer bedenkenlos zuordnen kann. Ein Bärendienst.

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Jamaica als Urlaubziel ok

– aber nicht hier als Regierungsform, klar?!
Süßsäuerlich mit starkem Hang zu angebittert wird Ängschie durchregieren auf den entscheidenden Feldern Globalisierung gewinnen, Spitzenverdiener entlasten und die Last auf die da unten verteilen (gibt ja schließlich genug davon), Ökoreformprojekte ins Aus laufen lassen, den finalen Kotau vorm großen Bruder Bush machen, zwischendurch versteckt devot nach rechts hinten linsen, wo Onkel Edmund den Rohrstock in stillen Momenten auf den Tisch knallen läßt –
Dazu die dauergrinsende Westerwelle, die den konservativen Einpeitschern liberal-debil den Weg ebnet.
Die Grünen dürfen trottelig-gutmütige Miene zum bitterbösen Spiel machen und werden trotzdem nur als Miesmacher und Blockierer gebasht. Ihre Forderungen werden als kontraproduktiv, wachstumshemmend und arbeitsplatzverhindernd hingestellt und damit abgeschmettert.

So oder so wird es kommen.

Es wird die Grünen zerreißen. Die Fundis müssen sich eine neue Heimat suchen und die verbleibenden werden sich fragen, warum sie sich nicht gleich der FDP eingliedern lassen.

Laßt euch nicht ins Bockshorn jagen! Bleibt standhaft! Laßt Jamaica in der Karibik!

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Am Tag danach

Eines finde ich bemerkenswert: Es gibt nun die dritte Wahl hintereinander eine Mehrheit jenseits des so genannten bürgerlichen Lager aus Union und FDP!

Die Farben werden neu gemischt.

ein Trauerspiel von herumtaumelnden Testosteronhaufen

verdacht, daß beide da rauswollen. schröder ebenso wie merkel. ängschie weiß, dass sie die nächste zeit augen im rücken bräuchte und schröder will eigentlich nur als ungeschlagener kanzler das feld und sich den dank und respekt seiner partei abholen

Merkels klarer Auftrag zur Regierungsbildung ist genauso lächerlich und unwahr wie Schröders surreale Siegerpose. Gerade diese beiden Modelle haben ausgedient. Es bräuchte ein paar nüchterne Leute mit Resten von Realitätssinn, die sich zusammensetzen und sich über die relevanten Inhalte verständigen. Es geht um die Zukunft dieses Landes und nicht die von Politdarstellern. Auch die Nachrücker Wulff oder Steinbrück können da in keiner Weise erhellend wirken, von Kochs oder Gabriels ganz zu schweigen. Alle nur Machtgeier.
Aber das ist es, was geschieht: das, was immer geschehen ist. Machtgerangel. Nichts sonst. Niemand will hier im Ernst Verantwortung übernehmen, aber alle das größte Stück vom Kuchen.
Erbärmlich.

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Blaue Sonne


Grelle Kontraste. Lichtenergie pur. Lebenselixier.

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Was für ein Krimi!

Noch vor wenigen Tagen unkte ich verdrossen rum, daß es sowieso egal sei, wer diese Wahl gewinnt, weil sich eh nichts ändern wird. Dies hat sich in der vergangenen Woche schon deutlich geändert, insofern ich zunehmend den Eindruck gewann, daß sich mit einem Wechsel, wie ihn sich Merkel vorgestellt hat, das politische und wirtschaftliche Klima hier im Land doch noch einmal drastisch verschlechtern würde. Sicher vom Wahlkampf aufgebauscht, aber –
Heute dieses phantastische Wetter, dieser unglaublich blaue Himmel, grell strahlende Sonne – ich fragte mich zwischenzeitlich, was das wohl für ein Zeichen sein soll. (Ja, manchmal glaube ich an Zeichen.)
Nun dieses Wahlergebnis. Als ich die erste Hochrechnung hörte, mußte ein kleines Freudentänzchen sein. Denn
– Schwarz-gelb ist deutlich abgeschmettert.
– Das CDU-Facelifting via Merkel hat nichts genützt.
– Schröder hat die Ohrfeige bekommen, die dringend nötig war. Er hat es nur noch nicht gerafft.
– Die Grünen sind in schwieriger Situation klar bestätigt worden.
Das übersteigt meine Erwartungen deutlich. Zu sehr habe ich da noch die Erfahrung von 1983 vor Augen, als Kohl eine unfaßbare Mehrheit errang und die Grünen noch nicht mal hineinkamen in den Bundestag.
Der Kiessee in Göttingen am Wahlsonntag

Es gibt, wie den Verlusten der großen Parteien zu entnehmen ist, ein klares Bedürfnis im Volk nach klaren Aussagen. Mit dem Geschwafel von Politik der Mitte sind zwar noch zwei Drittel der Wähler zu mobilisieren – aber es sind nur noch zwei Drittel!
Der Erfolg der kleinen Parteien spricht Bände. Die Zugewinne der FDP kann ich inhaltlich zwar nicht nachvollziehen – was hat man denn da im liberalen Sinne eigentlich gewählt?! – aber vermutlich sind es einfach schwarz-gelb-interne Proteststimmen.

Unglaublich, wie sich die Würdenträger dann da präsentiert haben. Vor ihren Freundinnen und Freunden und dann in der Elephantenrunde. Und wie diese öffentlich-rechtlichen TV-Masken mit ihren ewig gleichen Nullachtfuffzehn-Fragen allesamt vor die Wand liefen. mh’s kritische Würdigung beschreibt dies trefflich.

Die entstandene Spannung bietet Chancen, die aber – fürchte ich – allesamt ungenutzt den üblichen Politikertugenden zum Opfer fallen werden.

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Güterbahnhof: Abriß


Lange schon weiß man, daß es passieren wird. Im Sommer bin ich extra noch einmal zu einer ausgiebigen Photo-Session dort gewesen. Aber wenn es tatsächlich zur Sache geht, wenn da in Klump gehauen wird, was man faszinierend gefunden hat und noch immer findet, wenn ein Ort verschwindet, der eine Bedeutung hat, dann ist das nicht gerade leicht zu verknüsen.
Selbst bei den geilen Wetter nich, doo.

Herbstmorgen, arg früh

Gritzegrau ist’s heute. Wird nicht hell, regnet aber. Dazu sowas wie der erste Herbststurm.
Kind3 ist heute Morgen um 5 oder so endlich mal wieder an mein Bett gekommen. Sie hatte so dolle Bauchschmerzen. Dann lag sie ein Weilchen unter meiner Decke. Das war so schön, daß ich sie eigentlich gar nicht wieder wegschicken wollte. Nur die plöte Vernumpft ehmt. Daß ich noch Schlaf brauchte. Obwohl ich mich gar nicht soo müde gefühlt hab. Also hab ich ihr gesagt, sie solle mal aufs Klo gehen und sich dann noch bißchen zum Schlafen in ihr eigenes Bett legen.
Damit war sie einverstanden, kündigte aber ihr Wiederkommen an, wenn es draußen heller sei… – was sie denn, pünktlich wie ein Helligkeitsmesser, auch tat. Kurz bevor der Wecker klingelte.
Sie störte mich nicht einmal wirklich. Und gestern Abend habe ich mir insgeheim eigentlich genau das gewünscht. Als ich noch mal an ihrem Bett saß, ihre Hand ergriff und ihr beim Schlafen zuguckte.
Beim jüngsten Kind ist es so, daß man gar nicht richtig möchte, daß es größer wird.

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