Dem Fischer

Dem Fischer weine ich keine Träne nach. Und das keineswegs nur, weil er sich ja alle Hintertüren offen gelassen hat und gewissiglich aus den hinteren Reihen heraus weiter munter Ränkespiele betreiben wird.
Nein: mit Herrn Fischer hat ausgerechnet ein Grüner die deutsche Beteiligung an Angriffskriegen (Kosovo, Serbien, 1999) wieder ermöglicht. Ein Schritt in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der meines Erachtens nicht hätte getan werden dürfen.
Aus dem Sog, in den diese Entscheidung die Grünen gerissen hat, haben sie sich nicht mehr befreit – und hier liegt vermutlich auch die Schnittstelle zur Zusammenarbeit mit Cducsufdp.
Einer der Gründe, warum die Grünen – wenn überhaupt – nur noch kleineres Übel sein können.
Utopien scheint es nicht mehr zu geben. Jedenfalls kann man sie keiner Partei mehr zuordnen.
Und dies ist eins der Verdienste, die man dem Herrn Fischer bedenkenlos zuordnen kann. Ein Bärendienst.

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Christian

    Der Kosovokrieg war sicher ein Angriffskrieg, der meines Erachtens sogar verfassungswidrig war. Allerdings stellt sich mir bei aller Ablehnung des Krieges die Frage, wie die internationale Staatengemeinschaft auf Krieg und Nationalismus auf dem Balkan anders hätte reagieren können. Die UN-Mission in Bosnien war schließlich auch nicht der Weisheit letzter Schluß, und beim Morden ganzer Bevölkerungsteile durch Militärs verschiedener Konfliktparteien können die westlichen Staaten nicht einfach nur zuschauen.

    Mich hat vor allem die einseitige Dämonisierung Serbiens gestört, die weniger Joschka Fischer als vielmehr der damalige Verteidigungsminister Scharping betrieben hat. Und heute stellt sich die Frage, was mit dem Kosovo eigentlich passieren soll. Eine Exit-Strategie hat schließlich keine der im Bundestag vertretenen Parteien, aber ewig können die deutschen Soldaten dort auch nicht bleiben.

  2. grapf

    Die UN-Mission war sicher nicht der Weisheit letzter Schluß – aber einen solchen gab es in dieser Situation vielleicht auch einfach nicht.
    Statt dem Morden nur zuzugucken, kann es doch aber zur Befriedung einer solchen Region keine Lösung sein, sich am Morden aktiv mit zu beteiligen!

    Nein, ich habe keine Patentlösung für diesen Konflikt in der Tasche. Ich erinnere mich deutlich an die heftigen Diskussionen, die man damals führte. An die Ratlosigkeit. Nur eins war immer klar: dieser Angriffskrieg war die denkbar schlechteste Lösung von allen.
    Eine Wertung, die für Afghanistan oder den Irak in selber Weise gilt. Mal abgesehen davon, daß die Alibis für die jüngeren Kriege noch verlogener sind.

Kommentare sind geschlossen.