Fahrradstadt Göttingen

Diese Bezeichnung, natürlich in Anführungszeichen, fand das Göttinger Tageblatt heute für das Unistädtchen, das in der Tat von einer beachtlichen Zahl Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad erschlossen wird. Eine Tatsache, die von Politik und Medien leider meist nur in negativen Zusammenhängen Beachtung findet. Etwa, wenn die Radfahrer mal wieder alles zuparken oder nachts ohne Licht verkehrtrum durch die Einbahnstraßen fahren und dabei arme unschuldige Autofahrer zu Tode erschrecken.
Aber man merke auf: neuerdings gibt es in der südniedersächsischen Provinzmetropole eine richtige Fahrradstraße: die Goßlerstraße zwischen Nikolausberger Weg und Kreuzbergring nämlich wurde dazu umgewidmet. Und, man glaubt es kaum, weitere sind in Planung, zum Beispiel ein Teil meines täglichen Weges zur Arbeit: die Achse Elbinger Straße – Sternstraße, eine Route parallel zur Reinhäuser Landstraße, die intensiv von Radfahrern genutzt wird und für den Autoverkehr eigentlich viel zu schmal ist. Besonders in der langen Periode (etwa anderthalb Jahre), während derer dort Baustelle war, sah man sich als Radfahrer immer wieder lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt, wenn Autofahrer dort amokmäßig ihren Jagdtrieb ausleben zu müssen meinten. Ist mir mehrmals passiert, daß nur noch ein beherzter Sprung auf den Bürgersteig das Schlimmste verhütete.
Also: Stadtverwaltung, Verkehrsplaner, faßt euch ein Herz, macht die Elbinger-Stern-Straße nach der Goßlerstraße zur zweiten Göttinger Fahrradzone! Das finde ich eine Superidee!

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. tobyyy

    Ja!

    Ich schreibe jetzt lieber nicht, wann in Bielefeld (!) die erste Fahrradstraße eingerichtet worden ist…

  2. Horst Reimer

    Ich bin sowohl Rad-als auch Autofahrer, finde es aber unerhört Autofahrern zu unterstellen, sie würden amokartig ihren Jagdtrieb gegenüber Radfahrern ausleben. Wenn ich mich als Autofahrer so rücksichtslos und willkürlich verhalten würde, hätte ich nicht lange Freude an meiner Fahrerlaubnis.

    Was sich hier in Göttingen abspielt, ein großer Teil der Radfahrer, für mich sind sie schlichtweg rücksichtslose Rambos, ist schon ein Zumutung. Es wird bei Rot kreuz und quer über die Kreuzung geradelt, Zebrastreifen werden mit größter Selbstverständlichkeit dazu benutzt verkehrswidrig die Straße zu überqueren, Fußgänger werden auf Fußwegen an- oder umgefahren. In den beiden Kreiseln in der Königsallee werden die Hinweisschilder über die Fahrtrichtung für Radfahrer schlichtweg ignoriert, nach dem Motto, der Radfahrer hat Narrenfreiheit. Ich finde, hier sollten die Ordnungshüter wesentlich rabiater eingreifen.

    Wenn ich an meine Kinheit in den 50er Jahren zurückdenke, da mußte man Sonntags zum Verkehrsuntericht, weil man sein Fahrrad emtgegen der Fahrtrichtung in einer Einbahnstraße geschoben hat, bzw. auf dem Radweg auf der falschen Seite fuhr.

  3. grapf

    Tja, Herr Reimer, auf der einen Seite gibt es die Ordnungsfanatiker, die vor allem auf strikte Einhaltung starrer Regeln pochen, koste es, was es wolle. Und auf der andern Seite gibt es Leute, die zusehen müssen, daß sie heil durch den Verkehr kommen.
    Und der Verkehr wird in Göttingen wie sonst auch vom Autoverkehr dominiert. Daran ändern die paar bösen Radler, die unerlaubt Zebrastreifen überqueren, gar nichts.
    Schwarze Schafe gibt es auf allen Seiten, aber die Wölfe, die im Schafspelz Auto fahren, sind weitaus gefährlicher.
    Was Sie Unterstellung nennen, Herr Reimer, ist im Übrigen einfach nur meine Erfahrung, die ich wiederholt machen durfte.

    Ihre Erinnerung an den Verkehrsunterricht finde ich gut. Sollte man sofort einführen für rücksichtslose Autofahrer. Und wer nicht erscheint, kriegt das Auto entzogen. Meine Stimme dafür haben Sie.

  4. Michael

    Bin nur froh als Fahrradfahrer einigermaßen durch den Verkehr zu kommen, den so fahrradfreundlich ist Göttingen noch lange nicht, aus meiner Sicht ist es nur ein Anfang, wenn man sich z.B. Holland ansieht…

  5. mike

    Traurig, traurig aber wahr: Rücksichtslose A…löcher gibts heutzutage einfach viel zu viele.

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