Abschied für 4 Tage

Ist für 4 Tage (vier Tage!) mit dem Kindergarten weggefahren, das Kind. Ich vermisse dich so, hat sie gesagt. Dabei ist das ja nun ganz klar mein Part. Ich habe es aber doch vorgezogen, genau das nicht zu sagen. Jedenfalls nicht ihr.
Idiotisch übrigens, was einem bei solcher Gelegenheit so alles durch den Kopf geht, welche albernen und völlig unangemessenen Symbolwerte kleinste Gesten plötzlich bekommen.
Faszinierend und völlig unlogisch, würde Mr Spock sagen.
Aber was da an einem nagt, ist noch was anderes, schwerer zu fassendes, was mit Lebenszufriedenheit zu tun hat. Oder genauer mit deren Abwesenheit bei gleichzeitigem schlechtem Gewissen ebendeswegen. Noch unlogischer, allerdings auch deutlich weniger faszinierend.

Ja, ich labere kryptisches Kauderwelsch.
Aber eigentlich versuche ich nur zu jammern.
Gar nicht so einfach.

Die Wärme und das Leichte

Morgens um halb sechs schon 15 Grad. Laufen in kurzer Hose und ärmellos, durch freundliche, vor Fruchtbarkeit strotzende toskanische Landschaft. Hasen, Kuckucke und Goldammern, Feldlerchen und Bussarde.
Draußen frühstücken.
Im kurzärmeligen Hemd zur Arbeit fahren.
In der Fußgängerzone flanieren und Lust haben zu lächeln.
Abends draußen sitzen, den Staren, Amseln und Mauerseglern zustimmen, die davon singen, wie schön das Leben ist. Um einen herum toben die Kinder, bis es dunkel ist.
Das Leben findet draußen statt und man schläft bei weit geöffnetem Fenster.

So ist es gut.

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pmachine und wordpress

Ende letztes Jahres beschloß ich, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Spam-Attacken auf photo.grapf, das zugrunde liegende System von pMachine auf WordPress umzustellen. Das bedeutete zunächst, das alte Blog als solches stillzulegen, vor allem die Kommentarfunktion abzuschalten – und auf der anderen Seite das neue Blog mit wordpress zu starten.
Lange Zeit dachte ich, es gebe keine Konvertierungsmöglichkeit vom einen ins andere Datenbank-Layout, bis ich nun durch intensives Suchen im wordpress-Forum doch auf ein Script stieß, mit dem sich die pMachine-Daten in wordpress-Daten konvertieren ließen. Der erste Schritt, der eigentliche Import, lief unerwartet glatt. Zwar stieg das Script mit irgendeiner Fehlermeldung aus, aber alle wichtigen Tabellen waren bereits konvertiert und in wordpress importiert.
Was blieb, war nur noch einiges finetuning: die Kategorien vom alten ans neue Blog anpassen, die Datensatz-IDs von Postings, Kommentaren und Kategorien so ändern, daß es keine Duplikate gibt – und, was sich als kniffligster Punkt herausstellte, das Datenbank-Layout von wordpress selbst von 1.2 auf 1.51 anzupassen. Da hat sich nämlich einiges geändert. Und jede kleinste Abweichung führt dazu, daß die Importfunktion in phpMyAdmin abbricht.
Hat mich nun ein paar Stunden gekostet, aber mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden: das photo.grapf.blog ist wieder eins, ist wieder vollständig, von September 2003 bis heute!

Radweg auf der Reinhäuser


Immer wieder neu, immer wieder gut.
Nachdem die Reinhäuser Landstraße nun schon mehrere Monate am Stück ohne Baustelle auskommen mußte, wurden zuerst den Fußgängern, tags darauf auch den Radfahrern und in der Folge auch den armen Autofahrern in der letzten Woche endlich einmal wieder ein paar Stolpersteine in den Weg gelegt.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt oder gar diese Nachbesserungsarbeiten mit den jüngst in Gerede gekommenen Auftragsvergabepraktiken der Stadtverwaltung in Verbindung bringt.

Radtour zum Wendebachstau


Eigentlich war ich gereizt, wollte Ruhe haben und allein sein. Lust auf Radtour in stille Landschaft, Sonne tanken. Beim Auflegen ausreichenden Lichtschutzfaktors stand plötzlich Li-Si neben mir und fragte mit großen Augen: “Papa, machen wir eine Radtour? Mit dem Nachläufer?!” Eine Zehntelsekunde später brummte ich eine Art Zustimmung in ihre Richtung, eine gute halbe Stunde später starteten wir zu viert in Richtung Gartetal.
Schön warm, aber auch ein erfrischendes Lüftchen, viel Sonne, interessantes Gewölk im Südwesten, das den Eindruck machte, als könne es doch noch spannend werden. Auf dem Radweg durch’s Gartetal nach Diemarden immer wieder dieses wunderbare Gefühl durch einen grünen Tunnel zu fahren, eins zu werden mit der Landschaft.

Sommerabend

Da sitze ich auf der Bank vorm Haus, die Beine auf einen Stuhl gewinkelt, mampfe eine Käsestulle, trinke ein Glas Apfelschorle und schrecke alle paar Minuten kurz auf, wenn eine Horde von 4 bis 6 Kindern laut kreischend ums Haus stürmt, sich mit Wasserpistolen und Gießkannen attackiert, gackert, keucht und auch schon wieder außer Sichtweite ist.
“Jaja, der Kindheit glückliche Spiele” denke ich. So heißt es vom alten Gren in Kalle Blomquist lebt gefährlich. Es gefällt mir gerade, das auch zu denken, während ich die sommerabendliche Atmosphäre, angenehm warm, ein Ideechen feucht, in mich einsauge. Oben auf dem Dachfirst sitzt ein Star und pfeift lustige Strophen, die zwischendurch wie von einer Amsel gesungen klingen. Aber nein: es ist der Star.
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Dann kommt der Onkel Toby mit seinem Fahrrad vorgefahren, wird von allen Kinders stürmisch begrüßt (wo die nur so plötzlich herkommen?) und setzt sich zu mir. Das ist so richtig nett. Mir ist so – lyrisch. Wohlig. Romantisch. Ich scheuche die Kinder viel weniger als sonst, erlaube sogar den Großen, noch mit einer Freundin zusammen lange aufzubleiben und zu spielen. Vielleicht ist es sowas wie ein Astrid-Lindgren-Gefühl: barfuß laufen ist zwar für die Jahreszeit eindeutig noch zu kalt, aber natürlich und eigentlich doch gut und muß irgendwie sein.

Frischer Dampf für Gartetalbahn

Wie wäre es doch schön, wenn wir über das romantisch nostalgische Schwärmen für die gute alte Zeit, als die Gartetalbahn noch mit auf dem Dach sitzenden Burschenschaftlern durch die Göttinger Südstadt hinaus nach Diemarden und weiter dampfte – wenn wir stattdessen in die Planung einer modernen Regionalbahn einstiegen, die vielleicht eine ähnliche Strecke bediente und mit einer gewissen Nachhaltigkeit dafür sorgen könnte, daß die Schlafstadtbewohner von Diemarden, Klein und Groß Lengden, Niedernjesa, Groß Schneen und wo immer sie so alle her kommen, ohne Nerv und Stau und Erzeugung von Feinstaub und Lärmbelästigung morgens in die Stadt hinein und abends wieder hinaus kämen.

Ein langer Satz, ein noch viel längeres und komplizierteres Thema.
Aber in mir sträubt sich etwas bei der Vorstellung, wie da die Göttinger Eisenbahn-Fans aus allen Himmelsrichtungen ins Cinemax fahren werden, um sich rührselig anzugucken, wie weiland 1928 die Welt noch dampfbetrieben in Ordnung war – und hinterher fahren sie alle wieder einzeln in ihren Autos nach Hause.
Unsere Nachbarstadt Kassel zeigt mit der Regio-Tram, wie es auch anders gehen könnte.

Das Göttinger Tageblatt lädt ein zur Matinee am Sonntag im Cinemax, gezeigt werden alte Filme zur Gartetalbahn, die auch auf DVD käuflich zu erwerben sein werden.

Göttinger Süden


Abendspaziergang auf den Deponieberg am Ortsausgang von Geismar. Pusteblumen, Heckenrosen, Grasmücken und Nachtigallen. Und Blick in alle Richtungen, vor allem aber über das rapsgelbe Leinetal – und nach Göttingen, das zu dieser Jahreszeit und aus dieser Perspektive wie eine grüne Oase aussieht.

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Was Vierjährige wollen

Meistens will sie etwas von ihren Eltern, die Prinzessin: Süßigkeiten, fernsehen dürfen, vorgelesen kriegen, vom Klo geholt werden oder sie will so manches nicht, was ihre Eltern von ihr wollen: Gemüse essen, sich waschen und zähneputzen (lassen) oder sich mal ein bißchen beeilen.
Aber noch mehr Durchsetzungsvermögen zeigte sie am Samstag sich selbst gegenüber, als sie mit ihrem Papa zum ersten Mal auf ihrem eigenen Fahrrad in die Stadt fahren durfte, fast 4 Kilometer in eine Richtung immerhin. Erst war ich mir ja gar nicht sicher, ob ich das wagen sollte, ob sie das mit dem Überqueren der 1000 Querstraßen hinkriegt und ob sie es konditionsmäßig schafft.
Aber die Querstraßen waren schon mal überhaupt kein Problem. Selbständig und sehr sicher stieg sie jedesmal rechtzeitig ab, wartete meine Anweisungen ab, guckte dann auch selbst, ob Auto kommt oder nicht, schob über die Straße oder fuhr und machte das alles so toll, daß zahlreiche Passanten, denen sie entgegen kam, ihr Erstaunen und ihr Wohlgefallen zum Ausdruck brachten.
Ihr glückliches Lachen dazu.
Und ihr fröhlich gerufenes “Klingeling”, weil, wie sie mir erklärte, “ich hab doch keine Klingel, nä?!”

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Auf dem Rückweg wurde es ihr sehr schwer. Trotz aller Mühe, die sich gab das zu verbergen. Ich hatte den Anhänger dabei und fragte sie an einer der Steigungen, ob sie lieber darin fahren wolle. Nein, sagte sie, sie wolle erzählen können, daß sie die ganze Strecke selbst gefahren sei.
Und so wurde es. Noch eine kleine Pause, zu der sie ein Eis bekam, ein ganz besonderes, das eigentlich nur größere Kinder bekommen. Das aß sie im Anhänger sitzend, neben dem ich stand und wartete, bis sie fertig war. Dann fuhr sie wieder weiter. Sie selbst.
Ganz bis nach Hause.
Ganz glücklich.