Lünemann-Baustelle am Frühlingsbeginn

Nun steht mitten auf der großen Baustelle ein stattlicher Kran. Marke Liebherr. Drei oder vier große Bagger baggern von früh bis spät. Pausenlos fahren schwere Lastwagen auf das Gelände, werden mit Baggergut beladen und fahren durch die Kurze Geismarstraße wieder von hinnen. Das Pflaster dort sieht, zumal bei feuchter Witterung, zeitweise abenteuerlich aus. Anfangs wurde es noch regelmäßig von Baustellenpersonal gereinigt. Es gab sogar eine eigene Maschine dafür. In den letzten Tagen scheint dieser Service jedoch zum Erliegen gekommen zu sein.
Dafür wurde jetzt am Zaun zur Straße hin mit festen dunkelblauen Plastikplanen die Sicht verhängt.
Leider.

Tapete ab – Tapete dran

Es war so rührend mit anzusehen, wieviel Energie Kind.1 in die Vorbereitungen steckte, wie sie ganz klaglos gründlichst ihr Zimmer aufräumte und alle Möbel in die Mitte rückte, daß wir gestern trotz feinstem Ausflugswetter den Tag nutzen mußten, ganz nutzen mußten, um mit der Renovierung ihres Zimmers möglichst weit voranzukommen.
Einmal an der alten Tapete gekratzt und bißchen gerissen machte gnadenlos deutlich, daß sie runter mußte. Die Farbe bröckelte einem sozusagen in großen Plocken entgegen und die größten Teile der Tapete ließen sich großflächig grad so abziehen. Aber natürlich nicht alle. Sondern ein paar äußerst hartnäckige Tapetengallier wehrten sich stundenlang und machten einen langwierigen und echt anstrengenden Spachteleinsatz notwendig, der am frühen Nachmittag noch ernste Zweifel aufkommen ließ, ob wir denn mit der neuen Tapete überhaupt noch anfangen könnten.
Ging dann aber doch. Nach einer verhältnismäßig kurzen Spielpause an der kühlen aber sonnendurchtränkten Frühlingsluft stieg Kind1 wieder mit so viel Elan ein, daß ich am mittleren Nachmittag einfach schon mal den Tapeziertisch aufbaute, Bahnen schnitt, kleisterte und dann schließlich, während in der anderen Zimmerecke noch gekratzt wurde, die ersten Bahnen klebte.
Und gegen sechs waren dann tatsächlich gut zwei Drittel schon fertig, als mir aber die Arme auch nur noch leblos von den Schultern baumelten, die Hände so saftlos, daß ich kaum noch Türklinken drücken konnte – und das Kreuz so wehtat, daß weder Liegen noch Sitzen wirklich angenehm waren. Stehen aber natürlich erst recht nicht.
Trotzdem, Sie kennen das ja: es fühlt sich gut an, diese Art von Malaissen. Sie mischen sich mit Stolz und Erleichterung, mann darf darüber klagen, wie man Narben aus erfolgreich bestandenen Kämpfen zeigen darf…
Und den restlichen Rest erledigen wir heute (zur Not abends) mit links.

Kaufpark 3.0

Was macht der Göttinger im Frühling? Er geht im Park spazieren. Und zwar im Kaufpark, nun sogar schon in Version 2.0! Na toll!
Noch toller aber, wie GT-Readakteurin Hanne-Dore Schumacher den Investor des neuen Shopping-Centers auf der grünen Wiese, das aller Voraussicht nach nicht geeignet ist, die Vielfalt des Angebots in der Innenstadt nachhaltig zu sichern, wie also die Wirtschaftsexpertin des Göttinger Tageblatts diesen Mann über den grünen Klee lobt und hofft, er werde auch das Filetgrundstück “Altes Stadtbad” als Investionsgrund zugeschlagen bekommen.
Man sieht die “zeitlose Architektur” mit den markanten Säulen schon vor dem geistigen Auge, zwischen Sparkassengebäude, Carré und Waageplatz. Wird eine echte Bereicherung für die Göttinger Kaufkultur werden.

Göttingen – grüne Lunge Südniedersachsens: Shoppinglustwandeln im Park!

Frau Schumacher meint, zwischen Kaufpark 2 und 3 würde dann ja durch Geschick und Verantwortung des Investors ein Brückenschlag stattfinden.
Das goe.log schlägt darüber hinaus vor, zwischen Kaufpark 3 und dem auf dem Lünemanngelände gerade entstehenden Kaufland eine schön geschwungene Autobahnbrücke über die Altstadt zu bauen, zur direkten Verbindung der Shopping-Center und ihrer Parkhäuser miteinander. Bei der Fahrt ließen sich zudem aus luftiger Perspektive die historischen Reste der Innenstadt gefahrlos in Augenschein nehmen.

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Das Schul-Musical

Die Musiklehrerin der großen Tochter hat ein Musical komponiert, getextet, arrangiert, choreographiert, gecastet, eingeübt, produziert und dirigiert. 50 fast ausschließlich weibliche Protagonistinnen staffieren die Bühne mit viel Bewegung und herzergreifenden Gesängen aus. Doll, was da los ist! Den Schülerinnen macht es sichtlich Spaß. Die Musiklehrerin rührt fuchtelnd gegen den Takt an, damit die Bass-Xylophone und Mezzosopran-Triangeln auch ja den richtigen Ton haarscharf treffen.
Es hat Spaß gemacht und mich mit väterlichem Stolz erfüllt, meine Tochter so selbstsicher und offensichtlich mit Freude an der Sache auf der Bühne agieren zu sehen.
Aber wehe wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe!
10 Sekunden Applaus nach dem Schluß-Triangeltusch, dann einen Moment Unruhe auf Bühne und davor, dann die Musiklehrerin und Producerin am Mikro, die nun mit großer Geste die Vorstellung der Protagonistinnen ankündigt, um dann lediglich den Namen der Hauptdarstellerin zu nennen und danach mit 3 summarischen Gesten die 49 anderen zu erwähnen. Das Publikum klatscht verhalten, abwartend, vorsichtig.
Aber mehr kommt nicht.
Oder? Ach doch, eine Mutter steht auf, überreicht der Lehrerin ein Sträußchen und anerkennt diese Leistung.
Und dann kommt die Direktorin und bedankt sich albern und überschwenglich bei der Musiklehrerin für das herausragende Engagement. Und dann geht das immer so weiter. Eine nach dem andern watschelt nach vorn, dankt der Lehrerin, lobt sie, äußert Begeisterung über ihre Leistung –
und die Sängerinnen stehen da rum.
Ist nicht das erste Mal, daß ich so etwas erlebe. Wie SchülerInnen etwas wirklich bemerkenswertes aufführen und die LehrerInnen sich im Anschluß stundenlang dafür feiern und feiern lassen. Mit Blumensträußen, Freß- und Weinkörben.
Ich sehe nur zu, daß ich Land gewinne, meine Blähungen loswerden kann.

Nach der Feier

Von Kindergeburtstagen habe ich jetzt aber doch erst mal genug. Was nicht heißt, daß ich sie grundsätzlich nicht mag. Nur eben, daß man sich vorher immer viel viel Mühe gibt mit Geschenkeaussuchen, Gastkindergewinne besorgen, Spiele planen, Kuchen backen, Girladen aufhängen… – dann kommt der Geburtstag, die Aufregung erreicht ihren Höhepunkt, alles fängt wunderbar an, das Kind freut sich über alle Backen, die Gastkinder kommen am Nachmittag und sind schon gleich schwer im Zaum zu halten, weil eigentlich schon zu durchgedreht durch den Kindergarten. Die eine zu müde, die andere kann nicht stillsitzen, muß überall immer im Vordergrund stehen. Und als Eltern rennt man nur hin und her, richtet an und her und versucht es nett zu machen und nett zu finden und kommt genau dazu dann doch nicht wirklich.
Und abends ärgert man sich, ohne das zu sagen, daß die Eltern der Gastkinder zu spät kommen, um diese endlich wieder abzuholen, damit man endlich das Geburtstagskind ins Bett bringen, Küche und Wohnzimmer aufräumen und dann noch mit den großen Kindern eine Runde Carcassonne spielen kann, weil die sehr lieb waren und auch eine ordentliche Portion Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen.
Die Zuwendung der Eltern füreinander fällt dann eher spartanisch aus. Sowohl Zeit (vor dem Fall ins Koma) als auch Energie (sokurz vor dem Fall ins Koma) fehlen irgendwie.
Wenn dann der nächste Morgen, in den man mit Vorfreude auf’s Wochenende, auf ein ruhiges Wochenende, startet, damit beginnt, daß die liebe Dame zum unplanmäßigen Sonntagsdienst verpflichtet wird (von sieben bis sieben), dann vergeht mir irgendwie die Laune. Ich hasse das. Es ist genau das, was ich nicht abkann, wenn da so von außen jemand oder etwas sich in die inneren Angelegenheiten einmischt und Pläne zunichte macht.

*Mecker mecker mecker mecker mecker mecker mecker* Ich hör ja schon auf. Der Sonntag wurde trotzdem schön. Man fügt sich eben. Plant um und macht was anderes.

Johanniskirchturm Renovierungspläne

Stadtbaurat Thomas Dienberg hat allen Ernstes vorgeschlagen, den abgebrannten Nordturm nicht wie gehabt historisch wieder zu errichten, sondern anstelle der Holz-Ballustrade eine Rundum-Verglasung anzubringen, um auf diese Weise zu zeigen, daß “hier etwas passiert ist”, außerdem um auf dem Turm mehr Ausstellungsfläche zu schaffen.
Die Folge: nicht allein das Antlitz des Turms wäre ernsthaft entstellt, sondern mit ihm die ganze Skyline der Stadt. Mal davon abgesehen, daß man oben nicht mehr im Freuen stünde, sondern hinter Glas, eingemacht quasi.
Tolle Wurst. Da klappt einem doch nur noch der Unterkiefer runter.

[Edit 11.03.05] Inzwischen haben sich nicht nur der Pastor der Gemeinde sondern auch der Kirchenvorstand unisono ablehnend zu den Dienbergschen Plänen geäußert.

Es wird hell

Um viertel vor sechs schon der halbe Himmel hell. Dazu noch ein strahlender Jupiter im Südwesten. In der angenehmen Kälte ist den Amseln zwar leider die Stimme eingefroren, aber die Rotkehlchen geben sich alle Mühe das auszugleichen. Witzigerweise scheinen einige von ihnen dabei zu versuchen, wie Kohlmeisen zu klingen. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, aber nachdem ich mal in der taz gelesen hatte, wie selbstverständlich Amseln schon Handyklingeltöne nachmachen, und nachdem ich selbst immer fasziniert davon bin, wie die Stare versuchen, wie Kraniche zu klingen – warum also nicht Rotmeisen? Oder Kohlkehlchen?

Der Himmel ist jetzt blau und strahlt. Es ist unglaublich hell. Und die Helligkeit vertreibt die düsteren Gedanken der letzten Tage und läßt so richtig aufatmen.

Aufbruchstimmung.

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