Wie im Frühling

heute Morgen, warme, seidige wohlriechende Luft, schon eine Lust nur aufzustehen, trotz wie gewohnt zu knapp bemessener Schlafportion. Kopf raus aus dem geöffneten Fenster, Blick hinunter ins Tal, tief einatmen: lecker!
Statt daß ich kind3 wie sonst fast immer unter Zeter und Mordio nur gewaltsam aus dem Bett bekomme, steht sie von selbst allein als erste auf, gut gelaunt, fragt nur einmal (1 mal!) nach Mama, läßt sich anziehen und weckt ihre großen Geschwister.
Konzentriertes, harmonisches Frühstück. Alle gut aufeinander eingespielt. Als seien wir gerade aus einem Familientrainingslager zurückgekehrt.
Auf der Fahrt in den Kindergarten, in die aufgehende Sonne hinein, erzählt sie munter pausenlos lustige Sachen, sprüht vor guter Laune, weist mich auf die roten Blätter am Traumhaus hin, an dem wir immer vorbei fahren und sagt: guck mal Papi, bald ist Herbst!
Am Kiessee stinkt es immer noch nach toten Fischen. Vor inzwischen Wochen hat es einen Unfall in der Leine gegeben… tausende Fische mußten ihr Leben lassen und werden seitdem mühselig aus dem Wasser geklaubt und – ja, was passiert eigentlich mit denen?
Es stinkt schaurig. kind3 fragt vorsichtig, ob es am Kindergarten wohl auch noch stinkt. Nein, beruhige ich sie. Das ist so weit weg, da riecht es gut. Zum Beispiel nach “reifen Blättern”. Wenn die vom Baum fallen, sind sie reif, doch oder? fragt sie mit großen Augen.
Ja, sage ich, genau. Faszniert von diesem Gedanken und dem Geruch der reifen Blätter, den ich liebe wie nur was. Ein ganzer Kosmos von Erinnerungen breitet sich in Zehntelsekunden in meinem Kopf und in der Brust aus, beim Schnuppern.
Wie im Frühling?
Es ist Herbst, mit einer Intensität, die ich früher so nicht kannte, nur dem Frühling zugestanden habe. Die Wahrnehmung wird feinfühliger, immer umfassender – und das Genießen auch.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. ttt

    Das klingt ja wunderschön!
    Immerhin habe ich den Morgenhimmel im Zug genossen. Sonst ist vormittags leider kein Genießen möglich, aber jetzt ein wenig…

  2. kopfherz

    ein wundervoller morgen, auch heute morgen wieder. ja, eine fast berauschende mischung aus herbst mit einer prise frühling, zum aromatisieren. selbst die amseln sind in aufgeregter zankstimmung.

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