Lanzarote, erster Versuch

Nachts um eins ging es los, Abholung zum Flughafen, von wannen gegen fünnef nachts morgens der Flieger gen Süden abhob.
Die drangvolle Enge, kombiniert mit defekter Ton-/Videoanlage und muffeligen Saftschubsen Stewardessen ist in derart übernächtigtem Zustand besonders schwer zu ertragen. Ölsardinen haben es besser, denkt man.
Anflug auf die Insel in enger, tiefer gelegter Kurve, die Tragflächen rühren in den Schaumkronen des Meeres, bevor der Pilot die Sardinendose hoppelnd auf die Piste drückt. Die Touris klatschen. Erleichtert, noch am Leben zu sein.

Großer Flughafen, kein Ausstieg aufs Flugfeld, sondern gedrückte Latschnummer durch den Passagierabsaugrüssel.
Warme, stickige Luft.

Riesige Flughafenhalle.
Warme, stickige Luft.

Die Tuitante. Routinierte, winkende Freundlichkeitsmaske, nach dem Makeup in dünner Schicht aufzutragen, dann nicht mehr berühren, bekommt sonst unansehnliche Risse.
Sie steigen in den Bus auf Bahnsteig 29 ein! Mittlerer Ausgang geradeaus, dann noch etwa 200 Meter! Den Kofferwagen vorbeilavieren an 28 anderen Bussen, vor denen überall Leute mit Kofferwagen herumlavieren und den Weg versperren. Warum können die nicht mal freundlich Platz machen, wenn wir uns da lang quälen!

Im Bus riecht es wie in einem jahrelang nicht benutzten Kühlschrank.
Zugig, aber zu warm.
Muffig, aber sehr ungesund.

Von der Insel sieht man vor allem Schutthaufen und zubetonierte Flächen, umrändert von Strand und Meer. Die Hotel- und Appartmentanlagen, vor deren Rezeptionen der Bus seinen Inhalt auswirft, sind nicht voneinander zu unterscheiden. Außen tui – innen ?!

Eigentlich wollte ich ja auch gar nicht weg. Es wurde gerade so schön herbstlich zuhause. Was für eine perverse Idee, im Herbst noch mal Sonne nachtanken zu wollen. Um was für einen Preis!

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Am Strand sitzen.

Links mindestens 5 Kilometer breiter Sand, was man so sieht. Die paar Liegestühle und Sonnenschirme verlieren sich darauf.
Am späten Nachmittag, wenn das Sonnenlicht strahlend alles vergoldet, unbegreiflicherweise fast keine Leute mehr da. Man hat das dann alles fast für sich allein.

Nach rechts der Blick nicht ganz so weit, weil da eine Kurve in der Küste ist. Gesäumt mit hübschen Felslein. Ach, ein paar Pälmchen noch, bevor dann, schon eher hinter mir, die Hotel- und Appartmentkomplexe beginnen. Wenn man nicht hinguckt, sind sie auch nicht da. Und wenn doch, stören sie nach wenigen Tagen nicht mehr.

Vor mir Wasser.
Unendlich viel Wasser, das in endloser, scheinbar sinnloser, aber so gar nicht langweiliger und dann doch sehr meditativer und damit sinngebender Weise vor und zurück geht, auf den Strand draufspült und wieder von ihm runter.
Grelles gleißendes Glitzern auf der Wasseroberfläche.

Weit oben drüber Flugzeuge auf dem Glidepath zur Landung. Sehr geiler Anblick. Selbst nach dem fünftausendsten noch. Vor allem, wenn sie in teilweise extrem langsam wirkenden Kurven in diesen Glidepath einschwenken und nach gut einer Minute, unmittelbar vor der Landung, hinter ein paar Häusern verschwinden. Jedesmal erwartet man heimlich und unwillkürlich ein Krachen, einen Feuerball und eine Rauchwolke.
Einmal der Gedanke, wie so eine Notwasserung in erreichbarer Ferne wäre. Wenn man hinschwimmen und helfen könnte.

Und dann auch noch ich.
T-Shirt, Deppen-Käppi, Sonnenbrille, Badehose, alles andere unter LichtschutzFaktor 30.
Auf den Knien 39,90 von Herrn Beigbeder.
Gibt einem so schön das Gefühl, dazu zu gehören und doch ganz anders zu sein.
Das einzige Individuum inmitten der Masse.

In den Ohren Stöpsel, aus denen “perfect” dringt. Smashing Pumpkins.
Immer wieder.

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Laufen in den aufgehenden Morgen. Die Strandpromenade entlang. Mit den landenden Flugzeugen um die Wette. Im Osten hoch am Himmel strahlt die Venus, bis bald danach dort das Schwarz einen ersten dunkelblauen Streifen freigibt, der sich rasch vergrößert und sich an guten Tagen zu einem feisten das ganze Meer colorierenden Morgenrot ausweitet.
Hinweg im Dunkeln auf der Strandpromenade. Viele der Lampen gehen kurz aus, wenn meine Schritte sich nähern, und leuchten weiter, wenn ich vorbei bin.
Rückweg im Morgengrauen am Strand, an der Wasserlinie entlang, wo der Sand so hart ist, daß man nicht mit jedem Schritt tief einsinkt. Ab und zu quiekt es niedlich aus den ablaufenden Wellen. Dann laufen zig niedliche kleine Vögel mit irrwitziger Geschwindigkeit durchs niedrige Wasser, flattern kurz auf, laufen weiter, bleiben, sobald ich weit genug weg bin, wieder stehen. Sie erinnern mich anfangs an die kleinen niedlichen Saurier in Jurassic Park II, es ist ein klein wenig erschreckend jedesmal.
Nach dem Laufen noch einen Moment am Strand stehen und einfach aufs Meer blicken, die Endorphine wirken lassen und den Morgen einatmen. So könnte es immer sein.

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