Sieber Söwe

Kissen werden auf dem Teppich ausgebreitet, mir wird bedeutet, mich darauf niederzulegen. Mit einer bunten Spieldecke werde ich gemütlich gebettet. “Papa Heia machen”.
Schön das. Heimelig, wohlig und für die Nachmittagsmüdigkeit genau das richtige.
Dann ein Zuppeln an der Decke, ein gleichzeitig leichtes und schweres Etwas, das an und auf mir hochklettert, plötzlich die Decke lüpft und – ein rundes, strahlendes Gesicht mit weit aufgerissenen Augen und Mund macht: “Uuuaaaaahhhhhh!!!”
Ich zucke zusammen, versuche, mich mit den Händen vor meinem Gesicht zu schützen.
Meine Hände werden aber sanft und bestimmt zur Seite gezogen, das runde Gesicht strahlt mich an: “Nein, Papa! Bin doch sieber Söwe!”
Magische Wort, die mich sofort beruhigen. Und gleich fühle ich mich noch wohler. So ein zärtliches Raubtier wollte ich immer schon haben.

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Die letzten ihrer Art

Pappel
Eine Pappel

Viele gibt es nicht mehr davon, seit das Grünflächenamt vor ein paar Jahren mit der systematischen Abholzung begann.
Diese hier ist die letzte in der Kiesseestraße. Jedesmal, wenn ich dort vorbei komme, diese bange Frage: steht sie noch oder – ?
Auf Nachfrage beim Grünverwesungsamt wurde mir beschieden, die Verfallszeit für Pappeln liege bei 50 Jahren. Und außerdem gehörten Pappeln nicht in die Stadt. Also ab. Einfach alle ab.

Dann herrscht wieder Ruhe.

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Kaufzwang

Feste müssen nicht unbedingt erbaulich sein.
Der Göttinger Stadtrat hat heldenhaft beschlossen, auf das Gelände des Alten Stadtbades (hier schon gelegentlich erwähnt) tatsächlich noch rechtzeitig zum Feste Parkplätze zu bauen.

Noch besser aber: Kaufpark 2 bekommt endlich grünes Licht.

Kaufpark2
Direkt neben Kaufpark 1

Kaufpark1

wurde eine neue (derzeit brachliegende) Fläche ausgewiesen, die ein Großinvestor nun bebauen darf. Beziehen soll die zu erstellenden Ladenflächen der Einzelhandel.
Die Göttinger Innenstadthändler seien davon nicht tangiert. Heißt es. Dürfen sie auch nicht, denn sie bekommen ja ihre bereits seit Jahren gefordeten neuen Parkplätze.

Insgesamt ein wirklich endschlau durchdachtes Konzept
a) zur Ankurbelung von Konjunktur
b) zur Vermeidung von Verkehr

Kaufpark1

Rundkopf ausgemustert

BR477

Am vergangenen Wochenende hat die DBAG als Eignerin der Berliner S-Bahn die letzte der alten Baureihen, die aus den 20iger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende BR 477, endgültig aus dem Fahrdienst verabschiedet. Die Fahrzeuge werden jetzt größtenteils verschrottet.

Für mich bedeutete diese alte Bahn, die nicht nur durch ihr ganz eigenes Aussehen, sondern beinahe noch mehr durch ihren unverwechselbaren Sound etwas ganz besonderes war, eine stete Erinnerung an meine ersten Berlin-Touren in der zweiten Hälfte der 70iger-Jahre. Damals nicht allein geprägt von Mauer und Kaltem Krieg, der allmählich in die sogenannte Entspanungspolitik einmündete – sondern auch durch intensive persönliche Erlebnisse, die mein Verhältnis zu dieser Stadt und zu dieser Bahn prägten.
Das intensivste Bild in meiner Erinnerung: Spaziergang am Schlachtensee in der Abenddämmerung, durch die Bäume hindurch sieht man die gelb-funzelige Innenbeleuchtung einer vorbeirumpelnden S-Bahn, damals sicher noch älterer Bauart – und dazu dieser Fahrsound.
Erst 1979 unternahm ich eigene ausgedehnte Exkursionen mit der S-Bahn, weil dieses eigentlich sehr effektive Verkehrsmittel in diesen Jahren noch immer von der Westberlinern boykottiert wurde, gehörte es schließlich der Ostberliner DR… Meine Rundfahrten auf dem unterbrochenen Ring, durch die Mauer nach Ostberlin bzw drunter durch – auch wenn die Eindrücke mit den Jahren verblassen und durch aktuellere verdrängt werden – diese ganz besonderen, eigenartigen Gefühle von damals, die bleiben sicher.

Um die Rundköpfe – am 10. Oktober konnte ich eine letzte Fahrt damit machen – tut es mir echt leid.

Wer Lust hat: Photos davon gibt es hier und 2 kurze Videos mit Sound hier.

Kinder und Baustellen

BKinder

beherrschen derzeit das Bild in Geismar. Seit Wochen ist die Straße aufgerissen, einer nach dem anderen kommen die Stichwege zwischen den Reihenhäusern dran. Erneuerung der Kanalisation.

Südumdenkung

Am Freitag, 31.10.03 wurde im Foyer des Neuen Rathauses in Göttingen eine Ausstellung zur Südumdenkung eröffnet.
Ein spannendes alternatives Verkehrskonzept für die Region Göttingen, das der herrschenden sinnlosen Betonpolitik Argumente entegensetzt, die nicht nur einleuchten, sondern auch gute Laune machen.
Der Ausstellung und erst recht den Ideen, die gezeigt werden, wünsche ich viel Glück und viele offene und engagierte BesucherInnen!

Planwirtschaft

Sonntagabend

Wichtig ist nicht allein, daß gespart wird, sondern auch wo.

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Neues aus dem Zentrum des Geschehens

Da hat sich der Herr Hilder ja in drei Jahren salopp zum Provinzfürsten emporgeschwungen. Kaum ein kulturell-wirtschaftlich-politisch relevantes oder vielversprechendes Event, dem er nicht als Moderator vorsaß, um anschließend einen seiner hochgelobten bürgerlich biederen und (mich jedenfalls) bedrückenden Kommentare in seiner Zeitung abzulassen.
Daß so einer stramm CDU ist, versteht sich von selbst. Daß so einer vehement gegen politische Verflechtungen agitiert, auch.

Aber diesen Erfolxmenschen hat sein Überflug nun zu höheren, wichtigeren Aufgaben nach Leipzig zur Volkszeitung hinwegkatapultiert und hinterläßt in der südniersächsisch-toskanischen Metropole ein Loch.
Hätte man meinen können.
Wäre da nicht Ilse Stein! Ilse Stein.
Seit Jahren schon berüchtigt und gefürchtet für ihre investigativen Berichte und Lokalkommentare – was hat sie nicht alles aufgedeckt:
– die wahren Drahtzieher, Hintermänner und Machenschaften rund um den Magnapark
– was uns die Südumgehung wirklich bringt
– wie man den Kaufpark vielleicht doch noch retten kann
– die ultimativen Chancen der Göttinger Filet-Grundstücke
– alle Stärken des Göttinger Oberbürgermeisters
und und und…

Ach wäre es doch nur so!
Allein, es ist ja alles ganz anders.
Getreu der Böll’schen Erkenntnis, daß etwas geschehen müsse, sorgt die Verlagsgruppe Madsack zuverlässig dafür, daß beim GT alles bleibt, wie es immer war, daß erhaltenswerte Werte wertkonservativ erhalten werden, daß die Leute, die in der Stadt immer ein Wörtchen mitzureden hatten, auch in Zukunft immer ein Wörtchen mitzureden haben. Ein Wörtchen, dem Ilse Stein nun erst recht immer noch ein i-Tüpfelchen hinzufügen darf, als neue Chefredakteurin.
Das grapf°log gratuliert verzückt.

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