Zwischen den Jahren

ist man ja immer so besonders drauf: besinnlich und voll der guten Vorsätze. Früher war mir das extrem wichtig, viel aufzuschreiben: das alte gründlich durchzureflektieren, neues zu antizipieren, Sinn zu suchen und einen symbolischen Sprung ins Neue zu zelebrieren.
Dieses Jahr erstmalig haben wir die Einladung zu einer Sylvesterparty ausgeschlagen, weil wir lieber mit unseren Kindern feiern wollen. Familiäre Enge genießen und dann böllern. Übrigens weder trotz Iran (Erdbeben etc.) noch gerade wegen, sondern einfach weil es Spaß macht und weil ich diese moralische Abwertung des Sylvesterrituals mittlerweile völlig indiskutabel finde. Spenden für Leute, denen es dreckig geht, muss man nicht in umgekehrten Zusammenhang zum eigenen Vergnügen bringen. Diese Werteverknüpfung führt nur zu unguten Gefühlen, die niemandem etwas nützen.
Viel Gutes erwarte ich nicht vom neuen Jahr. Politisch und wirtschaftlich wird es wohl kaum entspannter werden – und gesundheitlich kann man für alle nur das Beste hoffen und wünschen!

  • Beitrags-Kategorie:Tagebuch

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. dark*

    Woher kommt eigentlich die Redewendung “Zwischen den Jahren”?

    Deiner Einstellung wegen der Boeller und Silvesterraketen teile ich. Zumal sowieso jedes Jahr irgendetwas anderes auf dem Plan steht, weswegen wir Spenden statt Boellern sollen. Ich mag Silvester eigentlich nicht so gerne, meiner persoenlichen Stimmung wegen, aber wenn ich mir vorstelle, dass es dann auch noch still bliebe, werde ich voellig depressiv.

    Ich wuensche dir und deiner Familie jedenfalls ein harmonisches Jahr :-)

  2. Elisa

    Gute Vorsätze für neue Jahre lehne ich grundsätzlich ab. Veränderungen für ein bestimmtes Datum aufheben … neee. Unsinn. Und hält man meist (in der Form, wie sie üblich sind) eh nicht durch.
    Dies’ Mal hab ich mir allerdings auch ein paar Kleinigkeiten vorgenommen. Zufällig kurz vor Jahreswechsel, dann aber auch gleich damit angefangen. Nicht erst auf Neujahr verschoben. Aber ich glaub, da sind wir uns nicht uneinig.

    @dark*
    Zwischen den Jahren erkläre ich mir damit, dass für viele mit Weihnachten das eine Jahr zu Ende ist und das neue – rein praktisch – erst nach dem 6. Januar beginnt.

  3. pia

    ich hab mir schon etwas vorgenommen, ob ich durchhalte, werdet ihr lesen können :-).
    Ich selbst böller überhaupt nicht gern, ich find es zu gefährlich, ausserdem tauchern in mir die Bilder einer Sivesternacht im Krankenhaus auf.
    Vielen die gern Böller in Menschengruppen werfen, würde ich empfehlen in der Silvesternacht mal in der Notaufnahme zu sitzen, da vergeht dir jegliches böllern.
    Wenn hier nicht geböllert werden würde, hätten die Leute im Iran auch nicht unbedingt es davon .Ich teile somit deine Einstellung.

  4. typ.o

    ich wünsch ihnen viel spaß beim knallen, war eben mit typ.o.kind knaller kaufen, aber noch nicht ganz das richtige gefunden – ich suche immer die ganz fetten roten dynamitstangen…
    ansonsten hats hier wg. familiärer enge auch schon geknallt, man ist das gar nicht mehr gewohnt, im arbeitsalltag …

  5. grapf

    @ dark*: dieses zwischen den Jahren bringt für mein Empfinden ganz prima diesen eigenartigen Schwebezustand nach Whynachten und vor Sylvester zum Ausdruck. Dieses irgendwie dann doch plötzliche Ende des Whynachts-Hypes, aber dann Vorfreude auf das Sylvesterfeiern.
    Stimmungsmäßig fand ich das auch sehr oft sehr schwierig, vor allem, weil ich lange Jahre immer extrem hohe Erwartungen hegte und meist uneinlösbare Ansprüche stellte…
    Danke für Deine Wünsche – und sehr gern zurück! :-)

  6. grapf

    @ Elisa: Gute Vorsätze zu einem Termin haben für mich eine sehr positive Tradition. Es fällt einfach leichter, den inneren Schweinehund zu überwinden, wenn man das ritualisieren kann. Und zum Ritual gehört auch ein Termin. Wie bei Festen auch. Schließlich muss man sich ja vorbereiten können.

  7. grapf

    @ Pia: Vor Böller in Menschengruppen habe ich auch Horror, seit ich das vor Jahren mal in der Göttinger Innenstadt erlebte. Aber bei uns in der Schlafvorstadt geht das sehr gesittet zu. Und macht einfach Spaß!
    Bin gespannt auf Deine Vorhaben – und was draus wird :-)

  8. grapf

    @ typ.o: Feiern Sie mit typ.o.kind gemeinsam? Mit dicken roten Dynamitstangen? ;-)
    Gerade heute war ich auch Böllerstoff kaufen, aber vor allem kindgerechten. Böllernd durch die Straßen ziehen würde ich auch gern einmal wieder. Wie vor langer Zeit. Aber es findet sich hier niemand, der solchen Unfug mitmacht. Leider.
    btw: schönen Gruß an typ.o.kind! Und alles Gute.

  9. dark*

    “Zwischen den Jahren” hat seinen Ursprung im alten babylonischen Mondkalender. Danach hatte das Jahr 354 Tage. Die 11 Tage bis zum neuen Jahr wurde gefeiert. Der alte römische Kalender hatte nur 304 Tage für ein Jahr. Die fehlenden 2 Monate waren sowieso im Winter und damit weder für Kriegführen noch Landwirtschaft nutzbar.
    Gefunden in den W-Akten :-)

    Uebrigens wurde im Hause meiner Grosseltern in dieser Zeit keine Waesche zum Trocknen aufgehangen, da dies nach altem Aberglauben Unglueck, Leid und Tod ins Haus bringt. Eigentlich gilt das fuer die Rauhnaechte (25. Dezember bis 6. Januar), aber so genau hat Oma das dann spaeter nicht mehr genommen. Wie segensreich da doch die Erfindung des Waeschetrockners war ;-)

    Menschen, die boellernd durch die Strassen ziehen, gibt es hier reichlich. Dadurch bekommt man hier zwischen den Jahren den Eindruck es wuerde Krieg herrschen. Ein wenig gruselig.

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