Fliegen

Im Urlaub: eine südseehafte Meereslandschaft, tiefblau bis türkis, gegliedert durch blendend helle Strandstreifen, lagunenhaft, wohlig warm, die Familie in sanfter Dünung plantschend – ein Traum.
Mit einem tiefen Ziehen in der Bauchgegend ich darüber fliegend, erst mit rudernden Armbewegungen, später auch ohne, in weiten Kurven, staunend über die Schönheit der Welt, überwältigt von dem Eindruck dieser Freiheit.
Hinauf, hinunter, dicht über die Gischt der Wellen gleiten und dann wieder steil hinauf an den Rand der Wolken.

Nichts behindert mich, nichts beschwert mich. Alles ist nur schön.

Zwischendurch stehe ich am Strand und erzähle, wie es sich anfühlt wieder zu landen: beruhigt einerseits, weil das Fliegen doch mit viel Aufregung verbunden, regelrechter Trennungsschmerz aber, weil wieder der Schwerkraft ausgeliefert.

Die Gewißheit im Traum, einfach wieder losfliegen zu können.

Tempo 70 für alle!

Hurra!
Endlich hat Jürgen D., Göttingens OB ein klares, markantes und wirksames Zeichen für die Zukunft in den Asphalt der Stadt gesetzt.
Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, hat seine Obrigkeit verfügt und ihro itzo angeordnet, einige der lästigen und völlig unzeitgemäßen Zone-30-Zonen rückzuwidmen und dem normalen Verkehr (Motto “freie Fahrt für freie Bürger”) wieder einzugliedern. Wie es heißt, zwangen ihn gesetzliche Vorgaben, Straßenzüge, (in denen sowieso niemand Tempolimits beachtete, die Red.), in denen dem Durchgangsverkehr mehr Raum, mehr Vorfahrt und mehr zügige Verkehrsabwicklung zuzugestehen ist, die 30-km/h-Zonen aufzuheben und wieder nominell Tempo 50 zu erlauben.
Die Freude unter den Göttinger Autofahrern ist begreiflicherweise groß. Denn da in den lästigen Zone-30-Straßen schon niemand merkte, daß man natürlich wenigstens 50 fuhr (Merke: wer zuerst bremst, hat verloren!), ist nun der Freifahrschein offiziell, wieder allgemein mit 70 durch die sowieso völlig verlassenen Vorortstraßen (eh bloß Weende und Geismar) brettern zu dürfen.
Um’s Gewissen zu beruhigen, wurde angeordnet, vor Kindergärten, Schulen und Altenwohnstätten Tempolimits neu einzuführen (hört hört!) – zum Glück sind das ja immer nur kurze Stückchen. Bis man da überhaupt realisiert hat, daß man zu schnell ist, hat man sie eh hinter sich und kann auf den Schreck gleich erst noch ma so richtig drauf drücken. Äh treten.
Wie schön.
Es gibt also doch noch ausgleichende Gerechtigkeit!

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Sonntag am Kiessee

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Seit Monaten bauen sie da. Der Damm an der Flüthe, einem Ausweichbächlein für die Leine, das bei Hochwasser immer dazu benutzt wird, den Sandweg zu überschwemmen, wird verstärkt. Stahlplatten werden reingehauen und dann oben abgeschweißt. Und der Fußweg um den Kiessee rum bei dieser Gelegenheit für Monate unpassierbar gemacht, um mal klar zu machen, daß was passiert.
Da geschieht nämlich was. Einerseits. Andererseits beschweren sich die Göttinger seit Jahren, daß der Sandweg bei Hochwasser immer überschwemmt wird, weil sie dann mit ihren Autos da nicht lang fahren können.
Fast schon ein running gag. Wenn es nicht so ein Trauerspiel wäre.
Aber: Es muß etwas geschehen!

Was man so als Normalgeistigbemittelter aber einfach nicht versteht: warum wird der Damm an dieser Flüthe zu der Richtung hin verstärkt, wo dann dahinter nur der Kiessee kommt, der ohnehin eher naß ist. Wär nich soo schlimm, wenn da noch n bißchen mehr Wasser reinflösse.
Und wozu bauen sie nun auch noch dieses ganz seltsame da, was ich da versucht habe im Photo darzustellen und das ich nicht mal genau zu bezeichnen wüßte, ja wo ich sprachlich einfach nur regredieren kann.
Wwwwwaaahhhh ?!

An anderer Stelle schrieb mal jemand (Obacht: jetzt wird’s bissig): “Göttingen baut und plant. In dieser Reihenfolge.”

Ich sach ma *Am Kopf kratz*: Das hätte nicht geschehen dürfen! (sehr frei nach Heinrich B.)

Entschuldigung bitte an alle Nichtgöttinger: dies hier ist auch für Göttinger nicht oder fast nicht zu verstehen. Aber die können sich dann wenigstens an den Kopf fassen und irgendein unwirsches Geräusch dazu ausstoßen.
Die Andern bitte nur wundern und, äh, am besten woanders weiterlesen.

Beim Vorlesen

In 80 Tagen um die Welt. Jules Verne. Das habe ich gerade meinen Kindern vorgelesen. Gestern kamen wir zum letzten Kapitel. Phileas Fogg ist mit Mrs Aouda und Passepartout zurück in London, jedoch leider 5 Minuten zu spät, wie es scheint. Die Wette verloren, das Vermögen dahin.
Und dann dieser Moment überwältigender Innigkeit: Mrs Aouda fragt ihren Gentleman, ob er sie zur Frau wolle.
Meine Stimme wurde so seltsam kloßig.
Ich hatte es ja schon geahnt, weil damals, als ich 9 Jahre alt war und das Buch zum ersten Mal durch hatte, da war es mir schon genauso gegangen.
Dicker Kloß im Hals, gerade so eben nicht losgeheult, aber fürchterlich gerührt, daß dieses mechanische Uhrwerk von einem Engländer plötzlich so einknickt, sich hingeben kann, liebenswert wird.
Mit 9 ging es mir so, daß ich das Buch sofort wieder von vorn lesen mußte. So sehr fühlte ich mit Phileas.
Es wurde überhaupt eins meiner meistgelesenen Bücher. So 10 bis 15 mal, schätze ich.
Später entdeckte ich, daß es Philip José Farmer sogar gelungen ist, eine Art Fortsetzung zu schreiben: “Das wahre Log des Phileas Fogg”, ein sehr interessantes Werk, daß den Erzählfaden Jules Vernes aufgreift und all die Ungereimtheiten der Geschichte auf’s Korn nimmt, umdeutet und so zu einer ganz neuen Erzählung kommt. Entfernt vergleichbar mit den jüngeren Bemühungen, die Mondlandungen der Amerikaner seit 1969 in Frage zu stellen und umzudeuten.
Allein, die Intensität des Augenblicks zwischen Fogg und Aouda ist natürlich unwiederholbar.

Ich mußte einige Pausen machen beim Vorlesen. Um die Spannung wirken zu lassen. Und um mir in Ruhe darüber klar zu werden, daß ich dieses Buch auch heute gerade so wieder von Neuem vorlesen könnte –

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Zu unentschlossen

Eigentlich wollten wir ja zum Tag des Offenen Denkmals. Die Entdeckung der Saline Luisenhall vor 2 Jahren setzte Maßstäbe, die zwar das Rittergut Niedergandern im letzten Jahr lang nicht erreichte, aber da bin ich doch auf den Geschmack von «Denkmälern» gekommen. Aber gestern war irgendwie so gar nix im Angebot, was bei dem schönen Wetter verlockt hätte, auf die Radtour zu verzichten, die wir unbedingt machen wollten.
Die Lokalzeitung hielt es nicht für nötig, auf besondere Sehenswürdigkeiten hinzuweisen – außer auf die öffentliche Freilegung einer Kloake auf dem Lünemann-Gelände. Da verzichteten wir dankend.
Eine einfache Radtour also, ohne besonderes Highlight als Ziel, ist nicht nur für die Kinder, sondern inzwischen auch für die Erwachsenen eine gewisse Herausforderung. Aber dann fanden wir in Klein Schneen einen idyllischen Rastplatz am Rande einer verwunschenen Allee, es gab ein wenig mitgebrachte Kuchen und – da siegte die gute Laune klar nach Punkten.
Hinterher blieb trotzdem dieses seltsame Gefühl, daß man noch mehr hätte rausholen können. Schließlich muß auch am Wochenende die übliche Leistung erbracht werden in Form von Erlebniswert, Freizeitmehrwert und Vergnügungspunkten oder wie immer wir die Währung nennen wollen.