1. September 2005
Picknick auf dem Geismarer Hügel





Am Nachmittag schneit es in dichten dicken Flocken und verwandelt die Stadt innerhalb einer halben Stunde in ein Wintermärchen. Im Licht der Blauen Stunde schließlich schiebt sich eine eigenartige Nebelwolke vom Leinetal her ein Stück nach Geismar hinein.

Alle Jahre wieder dräut der zweite Atzwentz und damit nicht nur dieses Wort mit den 4 t, sondern auch der dörfliche Whynachzmarkt in Göttingen-Geismar. Schön ist es da, weil klein, auf den Kirchplatz beschränkt nämlich, überschaubar, man kennt fast jedes Gesicht, das einem entgegenblickt, viele Kinder, die dort frei umherstreunen können, ohne daß man als Pfater gleich Panikattacken bekommt.
Allerdings, man muß schon erst mal zwei Glühwein getrunken haben, bis man akklimatisiert ist und die besonderen Vorzüge dieses Events angemessen zu würdigen weiß. Dann aber freut man sich, daß die Luft gar nicht von verbrannten Bratwürsten verräuchert ist, daß es keine professionellen Kunst-Ramsch-Buden gibt, daß 4 Fahrten im noch mit Pferden bestückten Karussell noch für zwo Euro fuffzich zu haben sind und daß Mutti und Pfati sogar mitfahren dürfen, wenn das Lütte plötzlich Angst kricht. Vor den Pferden, vor der Musik oder vor dem Whynachzmann (oder war’s der Nikolaus?!), der sich leibhaftig und mit Rute plötzlich mitten im Getümmel materialisiert. Mit großem Sacke, aus dem er jedem Kind, das ihm die Hand schüttelt und seinen Namen verrät, ein Geschenkelein überreiheicht. Manchen auch zwei – und Kind3 sogar vier. Mußte einfach nur lange genug dastehen und sehnsüchtig dreinblicken…

Wenn einem soviel schönes widerfährt, dann ist man als Kind sogar bereit, danach die Schuhe zu putzen, damit der liebe Nikolaus in der folgenden Nacht auch ordentlich was reinfüllt. Und den Wunschzettel, den sorgfältig geschriebenen und bemalten, den muß er ja auch gleich mitnehmen, damit der Whynachzmann weiß, was er zu tun hat, nämlich.


Seit Wochen ist es duster im Schulweg. Unbekannte haben in einer nächtlichen Aktion die Lampen zerstört. Genaueres war bislang nicht zu vernehmen. Auch nicht, ob oder wann sich an diesem Zustand etwas ändert.
Wenn man im Dunkeln dort entlang läuft, merkt man erst so richtig, wie uneben und gefährlich der Weg-Belag ist, wieviele Hindernisse in Form von Steinen, Ästen und Wegbegrenzungspömpeln das Stolpern erleichtern.
Was, wenn sich hier erst jemand ernsthaft verletzt?

Die Tränke an Quelle in Geismar heute morgen. Wer macht sowas? Dumme-Jungen-Streich oder gezielter Anschlag?