17. Mai 2003

Innenstadt-MAUT

Den Londonern ist etwas gelungen, was ich nicht für möglich gehalten hätte: seit drei Monaten schon verlangen sie Maut-Gebühren von allen Leuten, die mit dem Auto in die Stadt reinwollen.
Der Erfolg: etwa 20% weniger Autos in der Stadt. Die noch fahrenden können doppelt so schnell wie vorher. Es wurde genug Geld für 300 neue Busse eingespielt. Schreibt die taz.
Aber hierzulande, wo nur freie Fahrt für freie Bürger zählt, werden noch nicht mal die Lastwagen auf der Autobahn für die massiven Schäden, die sie verursachen, zur Kasse gebeten.
Dabei ist selbst Bus fahren einfach cool.

Natürlich wär Straßenbahn noch viel schöner. Aber man muß ja erstmal einen Anfang finden. Daß das geht, sieht man u.a. hier.

Markttag

Früher ging ich für mein Leben gern samstags auf den Markt einkaufen.
Heute mag ich es immer noch total gern, zwischen den Ständen entlang zu schlendern, meiner kleinen Tochter dieses und jenes zu zeigen und mich von ihr hin- und her ziehen zu lassen.
Aber einkaufen?
1 kg Äpfel = 3,50 Euro
1 kg Tomaten 4,50 Euro
1 kg Brot = 3,20 Euro
300g Champignons = 2,40 Euro
4 kleine Bündchen Kräuter = 3,20 Euro
Da hört es dann auf. Diese halbe Handvoll Kräuter für 6 Mark?! Ich starre die Verkäuferin an, es ist ihr sichtbar peinlich. Sie mache die Preise nicht, aber – Da nehme ich dann nur drei Bünde, immer noch 2,40 – und ärgere mich schwarz.
Eigentlich kann man nicht mehr auf dem Markt einkaufen. Das merken die Händler wohl auch selbst. Denn es werden immer weniger. Und so mancher, der letztes Jahr noch selbständig war, ist nun nur noch Verkäufer bei den ehemaligen Mitbewerbern.

15. Mai 2003

Zumutung

Dank Kanalarbeiten genießt die Hauptstraße in Geismar ein paar Wochen geradezu paradiesischer Ruhe. Statt 12000 Autos am Tag nur ein paar Bagger und ein paar berufsmäßige Verbotsschild-Ignorierer.

Geismar Hauptstr.

Diese beachtliche Masse an Autos und Lastwagen wird durch andere Straßen umgeleitet, die nun den Lärm haben und auch nicht besser darauf eingerichtet sind als die Hauptstraße, deren Anwohner mit diesem Zustand seit Jahrzehnten mehr schlecht als recht leben müssen. In die Stadt hinein strömende Fahrzeuge werden über den Kalten Born und Auf der Wessel geleitet.
Der stadtauswärts “fließende” Verkehr durch Kampstraße und Am Rischen. All diese Straßen sind weder mit Zebrastreifen noch mit Ampeln ausgestattet. Die sonst eher ruhigen Straßen werden aber vor allem in der Rushhour morgens von vielen Schulkindern überquert.

Kampstr.

Zig erboste Anrufe besorgter Eltern beim Straßenverkehrsamt der Stadt Göttingen wurden mit dem Hinweis abgebügelt, die Straßen seien ja in der Zone 30 und man habe durch Messungen ermittelt, daß die Autofahrer sich auch an die Geschwindkeit hielten.

Am Rischen

Das Problem ist denn auch gar nicht so sehr die Geschwindigkeit, sondern die Menge an Autos, die zu den Stoßzeiten durch die engen Straßen drängen. Da stehen dann die Kinder und die älteren Leute und warten. Doch das ist ihnen in so einer besonderen Situation (die ja nur etwa 4 Monate andauern soll) zuzumuten. Eine außerordentliche Fußgänger-Ampel könne auf gar keinen Fall eingerichtet werden, weil so etwas innerhalb einer verkehrsberuhigten Zone nicht zulässig sei. Beamtenlogik vom Feinsten.
Alternativ gibt es tatsächlich zwei Fahrbahnverengungen, welche sich an den äußeren Enden der betroffenen Straßen befinden. Um sie zu erreichen, ist aus der Mitte des Gebietes locker 5 Minuten Fußweg vonnöten. Das ist zumutbar, sagt Herr G. vom Straßenverkehrsamt der Stadt G.

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